Kann Schimmel auf Lehmputz wachsen?

Sabrina Gerstmayr ·
Nahaufnahme einer Lehmputzwand mit natürlicher erdiger Textur und kleinen dunklen Flecken, beleuchtet von warmem Tageslicht

Lehmputz erfreut sich als natürlicher Baustoff zunehmender Beliebtheit. Dennoch fragen sich viele Bauherren und Renovierende, ob dieser ökologische Wandbelag anfällig für Schimmelbildung ist. Diese Sorge ist durchaus berechtigt, da Schimmel nicht nur gesundheitliche Risiken birgt, sondern auch die Bausubstanz schädigen kann.

Die gute Nachricht: Lehmputz besitzt von Natur aus Eigenschaften, die ihn zu einem schimmelresistenten Material machen. Dennoch gibt es bestimmte Umstände, unter denen auch auf diesem natürlichen Baustoff Schimmel entstehen kann. In diesem Artikel klären wir alle wichtigen Fragen rund um Schimmel und Lehmputz.

Kann Schimmel grundsätzlich auf Lehmputz wachsen?

Ja, Schimmel kann grundsätzlich auf Lehmputz wachsen; allerdings ist dies deutlich seltener als bei anderen Wandbaustoffen. Schimmel benötigt zum Wachstum organische Nährstoffe, Feuchtigkeit und eine geeignete Temperatur – Bedingungen, die Lehmputz aufgrund seiner besonderen Eigenschaften normalerweise nicht bietet.

Die mineralische Zusammensetzung von Lehmputz bietet Schimmelpilzen kaum Nahrung. Anders als bei organischen Materialien wie Tapeten oder Gipskarton finden Schimmelpilze in reinem Lehm nur wenige verwertbare Substanzen. Dennoch ist Lehmputz nicht völlig immun gegen Schimmelbefall, insbesondere wenn zusätzliche organische Bestandteile wie Stroh oder andere pflanzliche Zuschläge enthalten sind.

Warum ist Lehmputz normalerweise schimmelresistent?

Lehmputz ist aufgrund seiner alkalischen Eigenschaften und seiner außergewöhnlichen Fähigkeit zur Feuchtigkeitsregulierung in der Regel schimmelresistent. Der hohe pH-Wert von Lehmputz schafft ein ungünstiges Milieu für Schimmelpilze, die saure bis neutrale Bedingungen bevorzugen.

Die herausragende Eigenschaft von Lehmputz liegt in seiner Dampfdurchlässigkeit und Hygroskopie. Er kann große Mengen Wasserdampf aus der Raumluft aufnehmen und bei trockenen Bedingungen wieder abgeben. Diese natürliche Feuchtigkeitsregulierung verhindert die Entstehung von Kondenswasser an der Wandoberfläche – einem der Hauptauslöser für Schimmelwachstum.

Zusätzlich besitzt Lehmputz antibakterielle Eigenschaften, die das Wachstum von Mikroorganismen hemmen. Die mineralische Struktur und die Kapillarwirkung des Materials sorgen dafür, dass Feuchtigkeit nicht oberflächlich stehen bleibt, sondern schnell in tiefere Schichten transportiert wird.

Unter welchen Umständen kann trotzdem Schimmel auf Lehmputz entstehen?

Schimmel kann auf Lehmputz entstehen, wenn die Feuchtigkeit dauerhaft zu hoch ist oder wenn organische Verunreinigungen auf der Oberfläche vorhanden sind. Kritisch wird es bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent über längere Zeiträume.

Besonders problematisch sind folgende Situationen: Wasserschäden durch defekte Leitungen oder undichte Dächer führen zu einer Übersättigung des Lehmputzes mit Feuchtigkeit. Unzureichende Belüftung in Badezimmern, Küchen oder Kellern kann die natürliche Feuchtigkeitsregulierung überlasten. Wärmebrücken und schlecht gedämmte Außenwände begünstigen die Kondensatbildung.

Organische Verschmutzungen wie Staub, Küchenausdünstungen oder Nikotinablagerungen können als Nährstoffquelle für Schimmelpilze dienen. Auch bei der Verarbeitung können Fehler auftreten: Wird Lehmputz auf einen noch feuchten Untergrund aufgetragen oder zu schnell getrocknet, entstehen Spannungen und Risse, in denen sich Feuchtigkeit sammeln kann.

Wie erkennt man Schimmelbefall auf Lehmputz?

Schimmelbefall auf Lehmputz erkennt man an dunklen Flecken, muffigem Geruch und einer veränderten Oberflächenstruktur. Die Verfärbungen erscheinen meist als schwarze, grüne oder braune Flecken, die sich von der natürlichen Lehmfarbe deutlich abheben.

Ein charakteristisches Anzeichen ist der modrige, erdige Geruch, der sich vom natürlichen, angenehmen Duft frischen Lehmputzes unterscheidet. Bei fortgeschrittenem Befall können Sie eine pelzige oder faserige Struktur auf der Wandoberfläche beobachten. Besonders aufmerksam sollten Sie in Ecken, hinter Möbeln und in schlecht belüfteten Bereichen sein.

Testen Sie verdächtige Stellen vorsichtig mit einem feuchten Tuch: Lässt sich die Verfärbung nicht abwischen und riecht die Stelle muffig, handelt es sich wahrscheinlich um Schimmel. Bei Unsicherheit empfiehlt sich ein professioneller Schimmeltest oder die Begutachtung durch einen Sachverständigen.

Wie behandelt man Schimmel auf Lehmputz richtig?

Schimmel auf Lehmputz behandelt man durch die vollständige Entfernung der befallenen Stellen und die anschließende Beseitigung der Ursache. Kleinflächiger Befall kann mechanisch abgetragen werden, während großflächiger Schimmel eine professionelle Sanierung erfordert.

Gehen Sie bei der Behandlung folgendermaßen vor: Tragen Sie Schutzausrüstung mit Atemmaske, Handschuhen und Schutzbrille. Entfernen Sie den befallenen Lehmputz großzügig bis ins gesunde Material. Reinigen Sie den Untergrund gründlich und lassen Sie ihn vollständig trocknen. Beseitigen Sie die Ursache der Feuchtigkeit, bevor Sie neuen Lehmputz auftragen.

Verzichten Sie auf chemische Schimmelentferner, da diese die positiven Eigenschaften des Lehmputzes beeinträchtigen können. Setzen Sie stattdessen auf mechanische Entfernung und sorgen Sie für optimale Trocknungsbedingungen. Nach der Sanierung sind eine dauerhafte Verbesserung der Belüftung und eine konsequente Feuchtigkeitskontrolle entscheidend für den langfristigen Erfolg.

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