Was sind Lehmfarben und wie werden sie hergestellt?

Sabrina Gerstmayr ·
Verwitterte Holzpalette mit Tonpigmenten in Ocker, Siena und Terrakotta neben Pinseln und Mineralpulver-Gläsern auf rustikalem Arbeitstisch

Lehmfarben erfreuen sich wachsender Beliebtheit als natürliche Alternative zu herkömmlichen Wandfarben. Diese traditionellen Anstriche bestehen aus natürlichen Rohstoffen und bieten nicht nur ästhetische Vorteile, sondern auch gesundheitliche und ökologische Vorzüge für moderne Wohnräume.

In einer Zeit, in der nachhaltiges Bauen und Wohnen immer wichtiger werden, stellen Lehmfarben eine bewährte Lösung dar, die traditionelles Handwerk mit modernen Ansprüchen an Wohngesundheit verbindet. Erfahren Sie, wie diese natürlichen Farben hergestellt werden und welche Möglichkeiten sie für Ihr Zuhause bieten.

Was sind Lehmfarben und woraus bestehen sie?

Lehmfarben sind natürliche Wandanstriche, die hauptsächlich aus fein gemahlenem Lehm, Wasser und natürlichen Bindemitteln bestehen. Sie enthalten keine synthetischen Zusatzstoffe oder chemischen Lösungsmittel und basieren ausschließlich auf mineralischen Komponenten.

Die Grundbestandteile von Lehmfarben umfassen verschiedene Tonmineralien, die dem Material seine charakteristischen Eigenschaften verleihen. Neben dem namensgebenden Lehm werden häufig Quarzsand für die Struktur, pflanzliche Bindemittel wie Zellulose oder Kasein sowie natürliche Pigmente für die Farbgebung verwendet. Diese Zusammensetzung macht Lehmfarben zu einem vollständig ökologischen Produkt, das am Ende seiner Nutzungsdauer problemlos kompostiert werden kann.

Die natürliche Zusammensetzung verleiht Lehmfarben ihre typische matte Oberfläche und die charakteristische Haptik, die von vielen als besonders angenehm und wohnlich empfunden wird. Je nach Herkunft des verwendeten Lehms variieren die natürlichen Farbtöne von warmen Erdtönen bis hin zu kühleren Grau- und Beigetönen.

Wie werden Lehmfarben traditionell hergestellt?

Die traditionelle Herstellung von Lehmfarben beginnt mit der sorgfältigen Auswahl und Aufbereitung des Rohlehms. Dieser wird zunächst getrocknet, zerkleinert und durch feine Siebe gesiebt, um eine gleichmäßige Körnung zu erreichen.

Der aufbereitete Lehm wird anschließend mit Wasser zu einer homogenen Masse angerührt. Dabei ist das richtige Mischungsverhältnis entscheidend für die spätere Verarbeitungsqualität. Traditionelle Rezepturen verwenden oft ein Verhältnis von etwa drei Teilen Lehm zu einem Teil Wasser, wobei dies je nach Lehmqualität variieren kann.

Zur Verbesserung der Haftung und Haltbarkeit werden natürliche Bindemittel zugegeben. Historisch wurden häufig Kasein aus Quark, pflanzliche Stärke oder sogar Rinderblut verwendet. Moderne ökologische Varianten setzen auf Zellulose oder andere pflanzliche Bindemittel. Für die gewünschte Farbgebung werden natürliche Pigmente wie Eisenoxide, Ocker oder andere mineralische Farbstoffe beigemischt.

Welche Vorteile haben Lehmfarben gegenüber synthetischen Farben?

Lehmfarben bieten zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichen synthetischen Wandfarben, insbesondere in Bezug auf Wohngesundheit, Raumklima und Nachhaltigkeit. Sie regulieren die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise und schaffen ein angenehmes Wohnklima.

Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Schadstofffreiheit: Lehmfarben enthalten keine Lösungsmittel, Konservierungsstoffe oder andere chemische Zusätze, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen könnten. Das macht sie besonders für Allergiker und Familien mit Kindern interessant. Zudem sind sie geruchsneutral und können ohne Bedenken in Schlaf- und Kinderzimmern verwendet werden.

Die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften von Lehmfarben tragen erheblich zur Verbesserung des Raumklimas bei. Sie können überschüssige Luftfeuchtigkeit aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben, was zur Schimmelprävention beiträgt und für ein ausgeglichenes Raumklima sorgt. Darüber hinaus sind Lehmfarben vollständig recycelbar und belasten weder bei der Herstellung noch bei der Entsorgung die Umwelt.

Wo können Lehmfarben verwendet werden?

Lehmfarben eignen sich hervorragend für alle Innenräume und können auf verschiedenen Untergründen wie Lehm-, Kalk- oder Gipsputz, Rigips und sogar auf vorhandenen Dispersionsanstrichen aufgetragen werden. Sie sind jedoch nicht für Feuchträume oder Außenbereiche geeignet.

Besonders bewährt haben sich Lehmfarben in Wohn- und Schlafzimmern, wo ihre feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften voll zur Geltung kommen. Auch in Kinderzimmern sind sie aufgrund ihrer Schadstofffreiheit eine beliebte Wahl. In Büros und Arbeitsräumen schaffen sie durch ihre matte, blendfreie Oberfläche eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

Wichtig ist, dass der Untergrund saugfähig und tragfähig ist. Bei stark saugenden Untergründen sollte eine Grundierung mit verdünnter Lehmfarbe erfolgen. Auf glatten oder wenig saugfähigen Oberflächen ist eine spezielle Haftgrundierung empfehlenswert, um eine dauerhafte Verbindung zu gewährleisten.

Wie trägt man Lehmfarben richtig auf?

Lehmfarben werden am besten mit einem Pinsel oder einer Rolle in zwei dünnen Schichten aufgetragen. Die erste Schicht wird verdünnt aufgetragen und dient als Grundierung; die zweite Schicht wird unverdünnt für die finale Optik verwendet.

Vor dem Auftrag sollte die Lehmfarbe gründlich aufgerührt werden, da sich die Bestandteile absetzen können. Der Untergrund muss sauber, trocken und fettfrei sein. Bei stark saugenden Oberflächen empfiehlt sich eine Vorbehandlung mit verdünnter Lehmfarbe im Verhältnis 1:1 mit Wasser.

Die erste Schicht wird zügig und gleichmäßig aufgetragen, ohne zu stark zu drücken. Nach einer Trockenzeit von etwa vier bis sechs Stunden kann die zweite Schicht aufgebracht werden. Dabei ist auf eine gleichmäßige Streichrichtung zu achten, um ein homogenes Erscheinungsbild zu erzielen. Die vollständige Trocknung erfolgt je nach Raumklima und Schichtdicke innerhalb von 12 bis 24 Stunden.

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