Wie trägt man Lehmfarben richtig auf?

Sabrina Gerstmayr ·
Hand mit Naturborstenpinsel trägt erdige Lehmfarbe in gleichmäßigen Strichen auf weiße Wohnzimmerwand auf

Lehmfarben erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei Bauherren und Renovierern, die natürliche und wohngesunde Wandbeschichtungen suchen. Diese traditionellen Farben auf Lehmbasis bieten nicht nur eine einzigartige Optik, sondern auch funktionale Vorteile für das Raumklima. Die richtige Anwendung von Lehmfarben erfordert jedoch spezifisches Know-how bei der Untergrundvorbereitung und beim Auftrag.

Von der Auswahl des geeigneten Untergrunds bis hin zur professionellen Schichttechnik gibt es verschiedene Aspekte zu beachten, um ein dauerhaft schönes und funktionales Ergebnis zu erzielen. Eine sorgfältige Vorbereitung und die richtige Verarbeitungstechnik sind dabei entscheidend für den Erfolg Ihres Lehmfarben-Projekts.

Was sind Lehmfarben und warum sollte man sie verwenden?

Lehmfarben sind natürliche Wandbeschichtungen aus Lehm, Ton, Sand und natürlichen Pigmenten, die ohne chemische Bindemittel auskommen. Sie regulieren die Luftfeuchtigkeit, sind diffusionsoffen und schaffen durch ihre feuchtigkeitsregulierende Wirkung ein gesundes Raumklima.

Die Verwendung von Lehmfarben bietet mehrere überzeugende Vorteile gegenüber herkömmlichen Wandfarben. Sie sind vollständig schadstofffrei und eignen sich daher besonders für Allergiker und umweltbewusste Bauherren. Durch ihre poröse Struktur können Lehmfarben Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben, was zu einem ausgeglichenen Raumklima beiträgt.

Darüber hinaus überzeugen Lehmfarben durch ihre einzigartige, matte Optik mit natürlicher Tiefenwirkung. Sie lassen sich in verschiedenen Erdtönen einfärben und schaffen eine warme, behagliche Atmosphäre. Die Farben sind zudem vollständig recycelbar und belasten weder während der Verarbeitung noch bei einer späteren Renovierung die Umwelt.

Welche Untergründe eignen sich für Lehmfarben?

Lehmfarben haften optimal auf mineralischen, saugfähigen Untergründen wie Lehm, Kalk, Gips, unbehandeltem Beton oder Mauerwerk. Auch Lehmputze, Kalkputze und andere diffusionsoffene Wandbeschichtungen sind ideale Untergründe für Lehmfarben.

Besonders gut geeignet sind traditionelle Baustoffe wie Lehmsteine, Kalksandstein oder Ziegel, da diese eine ähnliche Struktur und Diffusionsfähigkeit wie die Lehmfarbe selbst aufweisen. Gipskartonplatten können ebenfalls mit Lehmfarben gestrichen werden, sofern sie unbehandelt und saugfähig sind.

Weniger geeignet sind hingegen Untergründe mit geringer Saugfähigkeit oder bereits vorhandenen Beschichtungen. Dispersionsfarben, Lacke oder andere filmbildende Anstriche müssen vor dem Auftrag von Lehmfarben vollständig entfernt werden. Auch sehr glatte Oberflächen wie Fliesen oder Metall sind nicht für Lehmfarben geeignet, da sie nicht ausreichend haften.

Wie bereitet man den Untergrund für Lehmfarben vor?

Die Untergrundvorbereitung beginnt mit einer gründlichen Reinigung und dem Entfernen loser Teile, gefolgt von einer gleichmäßigen Befeuchtung des Untergrunds etwa 30 Minuten vor dem Farbauftrag. Bei stark saugenden Untergründen ist eine Grundierung mit verdünnter Lehmfarbe erforderlich.

Zunächst sollten Sie alle losen Putzteile, Staub und Verschmutzungen mit einer Bürste oder einem Staubsauger entfernen. Risse oder Löcher im Untergrund müssen mit geeignetem Lehm- oder Gipsputz ausgeglichen werden. Die Oberfläche sollte tragfähig, trocken und fettfrei sein.

Bei sehr saugfähigen Untergründen wie unbehandeltem Gips oder porösem Mauerwerk empfiehlt sich eine Grundierung. Dazu verdünnen Sie die Lehmfarbe im Verhältnis 1:1 mit Wasser und tragen sie dünn auf. Lassen Sie die Grundierung vollständig trocknen, bevor Sie mit dem eigentlichen Anstrich beginnen. Diese Vorbereitung sorgt für eine gleichmäßige Saugfähigkeit und verhindert fleckige Ergebnisse.

Welche Werkzeuge und Materialien braucht man für Lehmfarben?

Für den Auftrag von Lehmfarben benötigen Sie einen breiten Flachpinsel oder eine kurzflorige Rolle, einen Rührquirl, Eimer zum Anmischen, Abdeckmaterial und einen Sprühzerstäuber zum Anfeuchten des Untergrunds. Zusätzlich werden Wasser und gegebenenfalls natürliche Pigmente für die Farbgebung benötigt.

Als Hauptwerkzeug eignet sich ein breiter Flachpinsel mit Naturborsten besonders gut, da er die charakteristische Struktur der Lehmfarbe optimal zur Geltung bringt. Alternativ können Sie auch eine kurzflorige Schaumstoffrolle verwenden, die ein gleichmäßigeres Ergebnis erzielt. Für größere Flächen ist eine Rolle effizienter, während der Pinsel mehr gestalterische Möglichkeiten bietet.

Zum Anmischen der Lehmfarbe benötigen Sie einen Rührquirl oder einen kräftigen Schneebesen sowie ausreichend große Eimer. Ein Sprühzerstäuber hilft dabei, den Untergrund gleichmäßig anzufeuchten. Vergessen Sie nicht, Böden und Möbel mit Folie oder Vlies abzudecken, da Lehmfarben bei der Verarbeitung spritzen können. Halten Sie außerdem saubere Lappen bereit, um eventuelle Spritzer sofort entfernen zu können.

Wie mischt man Lehmfarbe richtig an?

Lehmfarbe wird durch schrittweise Zugabe von Wasser zur trockenen Mischung angerührt, bis eine joghurtartige Konsistenz entsteht. Das Mischungsverhältnis liegt meist bei etwa 1 Teil Wasser auf 2 bis 3 Teile Lehmfarbenpulver, variiert jedoch je nach Hersteller und gewünschter Deckkraft.

Beginnen Sie mit etwa einem Drittel der benötigten Wassermenge und geben Sie das Lehmfarbenpulver langsam unter ständigem Rühren hinzu. Vermeiden Sie es, das Wasser zum Pulver zu geben, da sich sonst Klumpen bilden können. Rühren Sie die Mischung mindestens fünf Minuten kräftig durch, bis eine homogene Masse entsteht.

Lassen Sie die angemischte Farbe etwa 15 Minuten quellen und rühren Sie anschließend nochmals gründlich um. Falls die Konsistenz zu dick ist, geben Sie tropfenweise Wasser hinzu. Die fertige Lehmfarbe sollte streichfähig sein, aber nicht von der Wand laufen. Mischen Sie immer nur die Menge an, die Sie innerhalb von 4 bis 6 Stunden verarbeiten können, da Lehmfarbe nicht lange lagerfähig ist.

Wie trägt man Lehmfarbe in mehreren Schichten auf?

Lehmfarbe wird in mindestens zwei dünnen Schichten im Kreuzgang aufgetragen: Die erste Schicht vertikal, die zweite horizontal oder umgekehrt. Zwischen den Schichten sollten Sie 4 bis 6 Stunden Trocknungszeit einhalten und die vorherige Schicht leicht anfeuchten.

Beginnen Sie mit dem ersten Anstrich in gleichmäßigen, überlappenden Bahnen. Arbeiten Sie zügig, aber sorgfältig, um Ansätze zu vermeiden. Die erste Schicht dient als Grundierung und muss nicht vollständig deckend sein. Wichtiger ist eine gleichmäßige, dünne Verteilung der Farbe.

Vor dem zweiten Anstrich sollten Sie die getrocknete erste Schicht mit dem Sprühzerstäuber leicht anfeuchten. Dies verbessert die Haftung der neuen Schicht und verhindert, dass die trockene Schicht der frischen Farbe zu schnell Wasser entzieht. Tragen Sie die zweite Schicht in entgegengesetzter Richtung zur ersten auf. Bei Bedarf können Sie eine dritte Schicht auftragen, um die Deckkraft zu erhöhen oder die gewünschte Farbintensität zu erreichen.

Wie Leipfinger-Bader bei Lehmfarben hilft

Wir von Leipfinger-Bader unterstützen Sie als Experte für nachhaltiges Bauen mit umfassender Beratung rund um Lehmbausysteme und deren fachgerechte Anwendung. Unser erfahrenes Team aus Innen- und Außendienst sowie unsere spezialisierte Bauberatungsabteilung stehen Ihnen bei allen Fragen zur Verfügung:

  • Individuelle Beratung zur optimalen Untergrundvorbereitung für Ihre spezifischen Gegebenheiten
  • Empfehlungen für die passenden Lehmprodukte und Systemlösungen
  • Technische Unterstützung bei der Verarbeitung und Anwendung
  • Schulungen und Workshops für Handwerker und Bauherren
  • Nachhaltige Gesamtlösungen mit QNG-zertifizierten Produkten

Profitieren Sie von unserer über 150-jährigen Erfahrung im Bereich nachhaltiger Baustoffe und lassen Sie sich von unseren Experten beraten.

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